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Keimzeit

Naomi

Naomi

Die Band Keimzeit ist ein echter Meilenstein in der Musikgeschichte. Diese band hat die wende überlebt und das kann nicht jede DDR Band von sich behaupten. Der Lied Sänger Norbert Leisegang hat mir im Interview meine fragen beantwortet. Das Interview war sehr informativ. Er hat sehr viel erzählt von dem ich denke das einige Fans das noch nicht wussten. Wir haben z.B. erfahren wie die band genau angefangen hat, vieles über Musiker die 27 Jahre gemeinsam auf der Bühne standen, das leben für und mit der Musik. Natürlich auch was ihre neuen Projekte sind. Ihr Musik ist echt ein Meilenstein und jeder der ein Fan ist oder es noch werden möchte sollte sich das neue Album besorgen „Stabile Währung Liebe“ ist eine sehr gelungene CD.

KEIMZEIT. STABILE WÄHRUNG LIEBE.
Sie waren dann mal weg. Nach den rauschenden Feierlichkeiten zum 25. Bandjubiläum im Jahre 2007 hatte sich ein übergangsloses Weitermachen schlicht verboten, sie verordneten sich für das Jahr 2008 eine Auszeit. „Anfangs hätten sie mir am liebsten die Rote Karte gezeigt für diese Idee“, gesteht Norbert Leisegang heute lächelnd. Doch bald werkelte jeder an Soloprojekten, verwirklichte, was lange liegen geblieben war. Norbert sang in Reinhardt Repkes „Club der toten Dichter“ Texte von Wilhelm Busch. Die Keimzeit-Auszeit war ohnehin nur eine von den Bühnen, schon im Sommer 2008 begann man an neuen Liedern zu arbeiten. Die waren dem Stückeschreiber nur so aus der Feder geflossen, als sich der Trubel endlich etwas gelegt hatte. Dem deutschen Herbst entfloh man schließlich nach Andalusien. Im beschaulichen Motril zwischen Malaga und Almeria steht das kleine, aber feine Studio des Exil-Kölners Paul Grau, in dem das neue Keimzeit-Opus auf Tonspuren geb(r)annt wurde. Die Platte wirkt wie ein Konzeptalbum, es scheint, als würde eine Paar-Beziehung beschrieben, von der ersten heftigen Aufwallung über Höhen und Tiefen, glückliche Gewissheiten und quälende Zweifel bis zu Bruch und Desillusionierung. Schon der Opener hätte mitreißender nicht ausfallen können, so kann die große Liebe beginnen, aber auch ein lang erwartetes Album: „Keine lausigen Kompromisse, keine halben Sachen. Diesmal soll es anders werden!“ Das Ganze in temperamentvollem Latin-Sound mit sattem Bläsersatz. Stilistisch gibt es ohnehin keine Grenzen. Urbane, jazzig-coole Stimmungen wechseln mit tanzflächen-affinem Gitarrenpop und flirrender, clubinspirierter Rhythmik. Im Background tauchen verwirrende Samples auf, gelegentlich schräge Mariachi-Sätze. Der offene Ansatz gab Beteiligten Raum für instrumentale Kabinettstückchen, überdies sind, angeführt vom alten Bekannten Ralf Benschu, nicht weniger als acht Gastmusiker am Start. Paul Grau, von ganz anderem Habitus als Franz Plasa, erwies sich dennoch als mindestens ebenso fordernd und motivierend wie dieser. Das Album ist live eingespielt, sie haben so die Magie des Zusammenspiels eingefangen. Gemixt wurde in Berlin, gemastert in New York, inzwischen existieren bewährte Netzwerke. Die quirlige Musikalität der Platte ist überaus erfrischend, gerät aber nirgendwo zum Selbstzweck. Die Lieder stehen im Mittelpunkt, Norbert Leisegangs wunderbare Welt der aufgehobenen Schwerkraft. In einem flotten, unerhört hitverdächtigem Popsong outet er sich als einer jener charismatischen Chaoten, in deren Gefolge immer Katastrophen lauern. Dieser Gute-Laune-Nummer folgt ein ungemein berührendes Stück, das mit den Zeilen „Die Nacht vor der Exekution“ beginnt. Es geht um das Sterben von Häusern. Irgendwie geheimnisvoll ist „Das Schlafende Kind“, basierend auf Motiven von Virginia Wolf. An lyrischer Vielfalt herrscht also wie üblich kein Mangel. Dennoch gibt es unverkennbar ein zentrales Thema, die Liebe. Besungen werden die wundervollen Anfänge, wo sich keiner recht vorstellen kann, was er bisher ohne den anderen gemacht hat. Ein Ende ist sowieso undenkbar, die Liebe ist schließlich die einzige stabile Währung. Diese angesichts der gegenwärtigen Verwerfungen so ungemein beruhigende Titel-These stellt Norbert Leisegang mit seinen anderen Liedern prompt und grundlegend in Frage. Gott sei Dank ist Liebe ja keine Währung, obwohl auch sie manchmal von Glücksrittern verspielt wird. Vor allem sie ist nun mal alles andere als ein stabiler, sondern vielmehr ein höchst fragiler Zustand. Norbert Leisegang besingt das große „vielleicht“ des Zusammenlebens, er beschreibt Beziehungen, die zerbrechen, weil sich zwei besinnungslos lieben. Er schildert in berührender Poetik, wie faszinierend, wie traurig und wie unausweichlich wahr es ist, dass man sich nie in Menschen, sondern immer nur in Wunschbilder von Menschen verliebt. Es ist eine Lust, ihm zuzuhören, auch und gerade, wenn er von Dingen singt, die eigentlich sehr weh tun. Er tut das in seiner lakonischen Art, die keine Gesten braucht. Was uns am glücklichsten macht, kann uns auch am meisten verletzen. Sagt Norbert Leisegang mit einem freundlichen Schulterzucken. Man fühlt sich im Nachhinein verstanden oder vorausschauend getröstet. Eine Platte von der Liebe. Ein Konzeptalbum also? „Quatsch“, wehrt Norbert Leisegang ab, „das ist so ein intellektueller Titel, den sich Künstler stolz auf die Cover heften. Am Publikum geht das doch meistens vorbei. Ich habe mich einfach eine Zeit lang besonders diesem Thema gewidmet. Wenn das Publikum einen roten Faden erkennen möchte, bitte sehr!“ Sprachs und grinst und kann wie immer kein Wässerchen trüben.